SCHRÄGE AUSSICHTEN..... ?

FOTO Die Leistung der planenden Ingenieure bleibt auch von außen nicht unbemerkt. KS Nibelungengasse
Der Karlsplatz ist ein sozialer Brennpunkt der Stadt, der auch Drogenabhängige und Unterstandslose anzieht. (Der Standard, 19. Nov. 08).
Doch nicht nur:
Das neue Luxus-Architekturprojekt Nibelungengasse 1-3, 1010 Wien, geplant von Arch. Rüdiger Lainer macht den Karlsplatz auch zu einer der exklusivsten und auch teuersten Wohnadressen Wiens.
Die repräsentativen Wohnungen ziehen alle Blicke auf sich. Die schräge Glasfassade (5° Neigung) bietet Ein- und Ausblick über den Karlsplatz, auf die Dächer der Nibelungengasse und über den Schillerplatz.
Seit dem Sommer 08 genießen in- und ausländische Investoren nach mehrjähriger Entwicklungszeit (Einreichung 02, Baubeginn 05, Übergabe 08) die belebte Lage zwischen Naschmarkt und Oper.
....ODER EINSICHTEN ?
Längst ist bekannt, dass das Investment in Wohnbauten großer Architekten zu vergleichen ist mit dem Sammeln von Kunst oder Design. Villen und Wohnungen von Le Corbusier oder Robert Mallet-Stevens entwickeln ihre enormen Preissteigerungen fast unabhängig vom "normalen" Immobilienmarkt. Dabei spielen die stets innovativen Raumkonzepte eine besonders hoch bewertete Rolle: Licht, Raum und Farbe machen so manches Objekt zur Ikone der Architektur. Oft sind Möbelentwürfe oder Originaleinbauten erhalten, welche die Immobilie zum Gesamtkunstwerk machen.
"Sie kaufen nicht eine Wohnung sondern "einen Lainer" " so Hr. Kinsky, Prokurist von A&A.
Neben Luxus und Terrassen war den Käufern eine individuelle Ausführung und eine gemeinsam Planung mit dem Stararchitekten Rüdiger Lainer in Aussicht gestellt.
Das Verkaufsargument "Alles ist möglich" (A&A,) bezogen auf den Ausbau, bekam allerdings während der Bauzeit weitere Bedeutungen: Den Käufern war es bei ihren Abschlüssen sicher nicht bewusst, dass sie Architekt Rüdiger Lainer und sein Planungsteam nie zu Gesicht bekommen werden.
In einem Artikel von Forum Architektur, März 07, liest man:
(...)"Bei Kundenwünschen im Raum Wien muss man akzeptieren, dass die Gestaltung der Wohnungen bisweilen sehr parvenühaft ausfällt. Das ist in Paris oder London anders," so Arch. Rüdiger Lainer.
"Viel Geld führt eben nicht automatisch zu einem hohen Kulturbewusstsein. Bisweilen schlägt es sich in einem "form follows money" nieder."(...)
So überließ man individuelle Entwürfe der Raumaufteilung, der Lichtplanung, der Auswahl von Wand- und Bodenbelegen und Planung der Sanitäreinrichtung oder Küchen den von den Wohnungseigentümern beauftragten Konsulenten.

Entwurf Top 77/78 www.Andrea-Itzinger.at Rendering Markus Kraus
Trotz unter der Leitung von A&A mehrfach wechselnder Professionisten und Architekurbüros (Atelier 23, LAB -Architecs , Bauleitung, Umplanungen und Koordination), wurden alle Wohnungen im Sommer 08 erfolgreich übergeben. Doch haben die jetzigen Wohnungsbesitzer nun "einen Lainer"?
Möglicherweise wird auch noch so mancher Gedanke über die Fassade und die Terrassen die Eigentümer beschäftigen, liest man weiters im oben zitierten Artikel :
"Entgegen der dynamischen Knickung an der Straßenfassade erscheinen die Innenfassaden beinahe als neuzeitliches Remake der Pueblo-Architektur. Vor- und rückspringende Raumteile machen den Innenhof zu einer intimen und einladenden Zone mit vielen kleineren und größeren Terrassen und sorgen durch die Abtreppung nebenbei für eine ausreichende Belichtung der unteren Bestandsgeschoße. Schon in der Bauphase träumt man sich in eine spätere Zukunft hinein - und sieht sich mit Grillwürstchen am Lagerfeuer sitzen und "American Pie" singen. Ob sich die Klientel im Premiumsegment des Wiener Wohnens auf gar so viel Nachbarschaftsfreundschaft einlassen wird, bleibt abzuwarten." (Wojeciech Czarja)
Soweit zitiert aus "Forum", doch der Zweifel an Grillwürstchenvisionen der Käufer im Premiumsegment des Wiener Wohnens dürfte auch bei der Pariser und Londoner Klientel angebracht sein.
Ist das Originalzitat von Lois Sullivan "form follows function" in Verbindung mit diesem Projekt nicht immmer ganz passend, versteht man doch die Absicht, dem Städter mit den Innenhofterrassen eine urbane Form des Gartens zu ermöglichen. Der ursprüngliche Gedanke, den Ausblick auf Nachbars Wohnung mit Kunst zu bereichern, musste dem Wunsch nach Grün weichen.
Bereits in der Endphase das Bauprojekts assozierte so mancher Besucher die Terrassen, mit den kleinen Gärten benannt nach Daniel Gottlob Moritz Schreber...
Also möglicherweise doch Grillwürstchen?
